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The Strenuous Life – Meine 12-Wochen-Challenge

Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich bei The Strenuous Life, einem 12-Wochen-Programm des Art-of-Manliness-Autors Brett McKay anzumelden. Am 01.04.2020 war es nun endlich soweit. Im Folgenden teile ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Programm.

Zuletzt habe ich Anfang 2020 ernsthaft darüber nachgedacht, mich hier anzumelden. Richtig durchgerungen habe ich mich allerdings erst, als die Anmeldung leider schon wieder geschlossen war. Das waren nur wenige Stunden, aber zu spät ist zu spät. Ich habe mich auf eine Liste setzen lassen, mit der man für die nächste Anmelderunde (in diesem Fall ab April) automatisch eine E-Mail bekommt, die einen auf die neu geöffnete Möglichkeit des Einschreibens hinweist. Als die E-Mail dann kam, habe ich mich auch direkt und ohne zu zögern angemeldet.

Das Programm spricht vor allem Männer an, wobei trotzdem auch Frauen willkommen sind. In meiner „Klasse“ mit ca. 150 Teilnehmern ist allerdings nur eine Frau dabei.

Für das Geld bekommt man aber nicht nur ein 12-Wochen-Programm. Eigentlich ist es eine Lifetime-Aktion. Auch nach dem Durchlaufen der 12 Wochen kann man noch weiter aktiv sein und hat vollen Zugriff. Sonst könnte man aber auch gar nicht alles abschließen können, was einem das Prgramm bietet.

Wenn man die 12-Wochen-Challenge erfolgreich abschließt, gibt es am Ende eine Münze als Zeichen und Anerkennung dafür, dass man es geschafft hat. Als erfolgreich abgeschlossen gilt die Challege, wenn man folgendes geschafft hat:

  • 12 Agons abgeschlossen
  • 75% tägliche Check Ins erfolgreich gemacht
  • mindestens 1 Badge erarbeitet

Was genau das bedeutet und was es mit den einzelnen Anforderungen auf sich hat, werde ich im Folgenden erläutern.

Agons

Das zentrale Element für das Boot Camp sind die wöchentlichen sogenannten Agons. Der Begriff „Agon“ stammt aus dem antiken Griechenland und heißt übersetzt soviel wie Kampf oder Wettstreit. Hierbei geht es aber weniger um den Kampf untereinander mit anderen Teilnehmern, sondern eher um den Kampf mit sich selbst. Das heißt, dass alle Agons selbst abgeschlossen werden können. Das ist manchmal relativ einfach und manchmal eine echte Herausforderung. Aber machbar ist es eigentlich immer. Im Zweifelsfall braucht es nur etwas (mehr) Überwindung. Um dir einen Einblick zu geben, wie ein solches Agon aussieht, will ich dir hier beispielhaft einige Agon aufzählen, die ich während meiner 12-Wochen-Challenge zu absolvieren hatte:

  • Jeden Tag 5 Minuten lang kalt Duschen
  • Lese ein Buch mit mindestens 150 Seiten
  • Führe den Army Ground Forces Test durc
  • Verzichte für 24 Stunden auf Essen (Getränke ohne Kalorien sind erlaubt)

Es gibt noch eine Option für ein 13. Agon, das man zusätzlich machen kann. Man kann es aber auch als Joker nutzen, um eines der anderen 12 Agons ggf. überspringen zu können. Das 13. Agon hat es allerdings in sich und ist alles andere als ein Selbstläufer:

Gehe 50 Meilen (knapp über 80 km) in 24 Stunden.

Das ist meiner Meinung nach nicht einfach aus dem Stehgreif machbar, sondern sollte auf jeden Fall vorbereitet werden. Für mich persönlich mit derzeit zwei kleinen Kindern ist das zeitlich eine echte Herausforderung. Ich würde das zwar gerne irgendwann mal schaffen, sehe es derzeit aber nicht als realistisch. Jeder der es schafft, kann sich übrigens in einer Hall of Fame verewigen lassen. Das gilt auch, wenn man das Agon nach der 12-Wochen-Challenge schafft.

Badges

Der zweite wichtige Baustein von The Strenuous Life sind die Badges. Es gibt derzeit insgesamt 50 Badges, die man sich verdienen kann. Für jedes Badge müssen verschiedene Punkte abgearbeitet werden. Dabei gilt, dass sie nach dem Start des Badges absolviert werden sollen. Wenn es also z. B. darum geht die Elias von Homer zu lesen, dann solltest du den Punkt nicht einfach abhaken, weil du die Elias bereits vor x Jahren mal gelesen hast. Du wirst vielmehr angehalten, dich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. In diesem Beispiel solltest du die Elias also nochmal lesen und erst danach abhaken. Wenn eine Sache ein „Ones in a lifetime“ (z. B. ein Motorradführerschein) ist, bist du angehalten dir selbst einen adäquaten Ersatz zu suchen, der auch tatsächlich eine persönliche Challenge für dich ist. Es geht schließlich darum, besser zu werden und nicht schon bereits Erreichtes einfach Abhaken zu können.

Ich selbst habe mich im ersten Step und für die Challenge an das „Hacker“ Badge gemacht. Um das Badge erfolgreich abzuschließen musste ich folgendes abhaken können:

  • Lese das Buch „Program or Be Programmed“
  • Schließe den HTML- und den CSS-Kurs auf Codecademy ab
  • Schließe den SQL-Kurs auf Codecademy ab
  • Schließe einen der folgenden Kurse auf Codecademy ab:
    • Java
    • Python
    • Ruby
  • Führe ein Projekt mit dem Arduino durch

Die ersten 3 Punkte waren einfach abzuarbeiten. Das Buch fand ich nicht sonderlich gut, aber sei es drum. Die Kurse auf Codecademy haben mir erstaunlich gut gefallen. Das derzeit gängige Format sind ja meist Videos in denen ein Dozent etwas zu z.B. einer Programmiersprache referiert und anschließend Aufgaben stellt. Auf Codecademy gibt es Erklärungen und dazu direkt kleine Programmieraufgaben, die man im Browser lösen muss.

Bei der Programmiersprache habe ich mich ganz im Sinne von The Strenuous Life für Ruby entschieden, da ich mit Java und Python zumindest schon mal Kontakt hatte.

Für das Arduino-Projekt habe ich leider nichts adäquates gefunden, dass ich wirklich sinnvoll gebrauchen kann. Ich habe daher ein relativ einfaches Projekt umgesetzt, bei dem ich lediglich etwas Text auf einem LCD dargestellt habe. Meine besondere Challenge dabei war, dass ich ein wenig Löten musste. Ich habe auch ganze 3 Ansätze gebraucht, um die Lötstellen endlich sauber zu bekommen. Da ist auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial vorhanden.

Tägliche Check Ins

Wenn man sich auf der Webseite (oder der zugehörigen App) einloggt, bekommt man direkt auf der Startseite die Möglichkeit, die täglichen Check Ins zu machen. Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Check Ins.

  1. 60 Minuten physische Aktivität
  2. Eine gute Tat

Die „physische Aktivität“ muss nicht zwingen (Kraft-)Sport sein (auch wenn einem das mehr oder weniger empfohlen wird). Es ist auch ausdrücklich erlaubt Spaziergänge, Gartenarbeit oder Toben mit den Kindern als physische Aktivität zu zählen. Wenn man über den Tag insgesamt mindestens 60 Minuten damit verbracht hat, kann man diesen Check In als erfolgreich geschafft markieren.

Die gute Tat ist natürlich ein wenig Auslegungssache. Ausdrücklich ausgenommen ist hier namentlich die Übernahme von Hausarbeiten. Prinzipiell ist dieser Check In aber deutlich weniger anspruchsvoll, als die physische Aktivität. Ein aufgehaltene Tür, die Unterstützung eines Kollegen oder das Aufheben eines von einem anderen versehentlich fallengelassenen Gegenstands können hier gezählt werden. Es sollte lediglich einem anderen (ein wenig) geholfen worden sein.

Um die Challenge erfolgreich abschließen zu können, müssen 75% aller Check Ins positiv sein. Hat man einmal einen Check In vergessen oder nicht geschafft, kann man das natürlich nachholen. Für den letzten Tag gibt es direkt beim Login eine Abfrage. Ansonsten kann man in einer Historie alle vergangenen Check Ins auch anpassen. Nicht getätigte Check Ins werden selbstverständlich automatisch als negativ gewertet.

Local Groups

Bei The Strenuous Life wird auch schon im Vorfeld mit lokalen Gruppen geworben, die sich finden und gemeinsam Aktionen starten. Im Zuge des aktiven Lockdowns und der zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels (Juli 2020) noch immer geltenden Einschränkungen aufgrund der Coronapandemie, haben sich auch die lokalen Aktivitäten auf eine Präsenz im Netz beschränkt. Lokal ist dabei natürlich relativ. Zwar ist The Strenuous Life global aktiv, der Schwerpunkt liegt aber mehr als deutlich in den USA. Lokal im europäischen Sinne ist also eher Deutschland. In der Gruppe befinden sich aktuell aber auch TSL-Veteranen aus der Schweiz, Tschechien und sogar aus Portugal.

Die Gruppe ist sehr aktiv, hat in der Vergangenheit sogar bereits Treffen vor Ort durchgeführt und plant das auch für die Zukunft. Inwiefern ich daran teilnehmen kann, wird sich noch zeigen. Gefühlt liegt der deutsche Schwerpunkt in Bayern. Vielleicht auch durch die Präsenz der amerikanischen Truppen, denn in der deutschen Gruppe gibt es auch Amerikaner, die dort stationiert sind. Nichtsdestotrotz gibt die lokale Gruppe dem Ganzen einen zusätzlichen Drive und spornt nochmal mehr an, als irgendwelche (noch fremderen) Leute aus den USA, die der gleichen Klasse zugeordnet sind, in der man auch selbst ist.

Technik

Die Plattform basiert auf einem WordPress Unterbau und bildet das Herzstück des Programms. Wer will, kann sich auch die App installieren. Dort sind aber leider nicht alle Funktionen vorhanden, die auch die Webseite bietet. Das Wichtigste wie die Agons und die täglichen Check Ins funktionieren aber.

Negativ aufgefallen sind mir die Ladezeiten. Jede einzelne Seite braucht relativ lange, um geladen zu werden. Das kann zuweilen echt nervig sein. Manchmal sind die Ladezeiten so extrem, dass ich schon die Befürchtung habe, dass die Seite gar nicht mehr reagiert. Aber mit dem Fokus auf die USA ist es auch verständlich, dass der oder die Server nur dort stehen. Ein Spiegel in Europa lohnt sich nicht, was eben zu der schlechten Performance im Zugriff aus selbigen resultiert.

Fazit

Mir hat die 12-Wochen-Challenge gut gefallen. Die wöchentlichen Agons waren zum Teil wirklich herausfordernd. Jedoch weniger im Sinne, dass sie besonders schwer zu schaffen gewesen wäre, sondern eher, dass es zum Teil Überwindung gekostet hat, sie auch tatsächlich durchzuziehen. Genau das ist aber der Kern dessen, was TSL erreichen will und was ich mir davon auch erwartet bzw. erhofft habe. Über den eigenen Schatten zu springen und Dinge zu tun, ich sonst nicht getan hätte. Die Badges liefern viele verschiedene und interessante Ansätze für Bereiche, in denen man aktiv und besser werden kann.

In diesem Sinne ist The Strenuous Life definitiv eine Bereicherung. Wenn du etwas suchst, dass dich motivieren soll, aktiver in deinem Leben zu werden, ist The Strenuous Life das Richtige für dich! Lediglich die langen Ladezeiten könnten das vergnügen etwas trüben. Ein Showstopper sollte das aber keineswegs sein.

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