Ehe-Meeting: Wie und warum auch du es nutzen solltest

Ehe-Meeting

Ich habe von einem Konzept für Meetings in der Ehe gelesen, das für mich extrem hilfreich und sinnvoll klingt. Leider ist der Artikel auf Englisch, sodass ich mich kurz entschlossen habe, hier einen Artikel daran angelehnt auf Deutsch zu schreiben. Im folgenden findest du alles, was du zum Durchführen dieser Ehe-Meetings wissen musst.

In der heutigen Zeit sind Ehen nicht mehr so stabil, wie sie es mal waren. Das hat viel damit zu tun, dass sich die einstige wirtschaftliche Abhängigkeit, die zu einer Ehe gehörte, deutlich reduziert hat. Auch die gesellschaftliche Ächtung, die vor nicht allzu langer Zeit mit einer Scheidung einher ging, ist (zum Glück !) fast gar nicht mehr vorhanden. Ein weiterer Aspekt sind aber auch die gestiegenen Erwartungen, die jeder Partner heute an das Konzept Ehe hat. Um mit diesen Erwartungen besser umgehen zu können, ist es sinnvoll, sich regelmäßig und systematisch damit zu beschäftigen. Ein hilfreiches Mittel dazu ist das wöchentlich Ehe-Meeting.

Die Vorteile des wöchentlichen Ehe-Meetings

Du wirst vielleicht sagen, dass ihr doch bereits über alles sprecht und dich fragen, worin genau der Mehrwert eines zusätzlichen, wöchentlichen Meetings liegen soll.

Der Vorteil ist, dass ihr euch einen speziellen Zeitraum nehmt, um über alles zu sprechen. Das führt dazu, dass ihr bestimmte Themen länger und intensiver besprechen könnt, als ihr es sonst tun würdest. Darüber hinaus bietet sich euch die Möglichkeit über Dinge zu sprechen, die ihr im Laufe der Woche sonst nicht angesprochen hättet. Vielleicht, weil es einfach nicht der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, oder weil ihr euch in dem Moment einfach nicht wohl gefühlt hättet, darüber zu reden.

Es soll bei den Ehe-Meetings darum gehen, dass ihr euch als Partner synchronisiert, euer gemeinsames Leben plant und die Wünsche und Bedürfnisse des anderen kennt. Somit versetzt ihr euch in die Lage, euch selbst aber auch der ganzen Familie gerecht zu werden. Ihr habt einen festen, gemeinsamen Anlaufpunkt, um über Schwierigkeiten zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu finden. Aber auch die Planung von Aktivitäten, die euch als Paar oder auch die Familie als Ganzes zusammen bringen, soll im wöchentlichen Ehe-Meeting erfolgen.

Betrachte das Ehe-Meeting als einen wiederkehrenden und notwendigen Prozessschritt in eurer Ehe. Wie das täglich Essen deinen Hunger stillt und dir neue Energie für den nächsten Tag bringt, tut das Ehe-Meeting das Gleiche im übertragenen Sinne für eure Partnerschaft und eure Familie.

Wie läuft das Ehe-Meeting ab?

Das Ehe-Meeting gliedert sich in 4 Abschnitte, sozusagen eine Standard-Agenda, die immer gleich ist. Diese sieht wie folgt aus:

  1. Anerkennung leben
  2. Pflichten verteilen
  3. Gute Zeiten planen
  4. Probleme und Herausforderungen meistern

Die grundsätzliche Idee ist, dass ihr mit einer gegenseitigen, positiven Anerkennenung startet, die eure gegenseitige Wertschätzung zeigt. Danach geht es daran, die zu erledigen Pflichten zu besprechen und die dazugehörigen Aufgaben zu verteilen. Anschließend plant ihr gemeinsam die postiven Events, die euch als Paar und Familie näher zusammen bringen. Zuletzt geht es noch an die Probleme und Herausforderungen in eurer Ehe und darum dazu gemeinsame Lösungen zu finden.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auf jeden Fall die Reihenfolge dieser Stadard-Agenda. Erst nachdem ihr zu Beginn eine wertschätzende Basis gelegt habt, mir der ihr euch beide hoffentlich wohlfühlt, fahrt ihr mit der manchmal lästigen Pflicht fort. Und erst nachdem ihr eure guten Momente für die kommende Woche besprochen habt, wagt ihr euch an die Herausforderungen.

Anerkennung leben

Das Meeting startet damit, dass ihr euch gegenseitig eure Anerkennung zeigt. Damit sorgt ihr nicht nur für eine gute Atmosphäre für das weitere Meeting, sondern könnt euch gegenseitig zeigen, was euch an eurem Partner besonders wichtig ist und was ihr (in der vergangenen Woche) als besonders schön und wertvoll empfunden habt.

Generell hilft dieser Abschnitt euch, euch als eine Einheit zu verstehen und gemeinsame weiter zu machen. Anerkennung ist ein wichtiger Grundpfeiler, um auch in Zukunft gerne Dinge für den Partner zu erledigen. Sie wertschätzt all das, was ihr im Alltag füreinander leistet und gibt einfach ein positives Gefühl.

Um das Ganze ein wenig zu erleichtern, gibt es auch eine Liste mit Punkten, an denen ihr euch orientieren könnt:

  • Erwähne auf jeden Fall nur positive Dinge! Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um negative Punkte auf den Tisch zu legen.
  • Höre zu, während dein Partner spricht und unterbreche sie/ihn nicht.
  • Sammle im Laufe der Woche Dinge, die du in diesem Teil eures Meetings erwähnen willst. Als Unterstützung bietet es sich an, wenn du dir kurze Notizen in einem Notizbuch, auf einem Zettel oder auch in einer entsprechenden App machst.
  • Formulie deine Aussagen so präzise, wie möglich. Anstatt zu sagen „Ich finde es toll, wie gut du kochen kannst.“ versuche es mit etwas wie „Ich fand die Lasagne, die du uns am Dienstag gekochst hast, unglaublich lecker.“
  • Es gibt für die positiven Punkte keine Tabus. Alles kann angesprochen werden. Äußerlichkeiten, Charaktereigenschaften oder Verhalten.
  • Kein Punkt ist zu klein, um erwähnt zu werden.
  • Auch „Selbstverständlichkeiten“ gehören hier hin. Sie können und sollen auf jeden Fall erwähnt werden, denn viele sind gar nicht so selbstverständlich, wie wir manchmal meinen.

Pflichten verteilen

In diesem Abschnitt geht es darum, die „lästigen“ Pflichten des Alltags auf eure beiden Schultern zu verteilen. Ein wichter Eckpunkt ist, dass es nicht darum gehen soll, alle anfallenden Aufgaben gleichmäßig aufzuteilen. Es geht vielmehr darum, sie gerecht aufzuteilen. Weil ein Partner vielleicht mehr arbeitet, als der andere oder anderweitigen Verpflichtungen nachkommen muss, gibt es meist ein grundsätzliches Ungleichgewicht in der Belastung, wenn man die übrigen Aufgaben außen vor lässt. Gerade darum ist es wichtig, dass die Aufteilung nicht gleichmäßig, sondern gerecht erfolgt.

Es macht natürlich keinen Sinn, über bereits besprochene oder fest vergebene Aufgaben jedes Mal wieder zu sprechen. Bei uns ist es zum Beispiel aktuell so, dass ich jeden Samstag einkaufen fahre, und meine Frau die Woche über kocht. Wenn es keine außergewöhnlichen Ereignisse gibt, die das verhindern, brauchen wir diese beiden Tätigkeiten nicht jede Woche aufs Neue besprechen.

Ein anderer entscheidender Punkt ist, dass du auf keinen Fall mit der Einstellung in euer Meeting gehen darfst, dass deine Partnerin oder dein Partner eine bestimmte Aufgabe auf jeden Fall übernehmen muss. Es ist wichtig, dass ihr beide stets kompromissbereit seid und die Verteilung der Aufgaben unvoreingenommen entscheiden könnt.

Wenn das für eure Partnerschaft wichtig ist, könnt und sollt ihr diesen Block des Meetings vor allem auch für die Verteilung der im Haushalt anfallenden Hausarbeiten nutzen. Wenn ihr nicht gut damit zurecht kommt, dass jeder anfallende Aufgaben sieht und auch angeht, sondern ihr eine strukturierte Herangehensweise und Verteilung benötigt, ist dieser Part essentiell für eure Partnerschaft. Solltet ihr damit aber gut klar kommen, könnt ihr euch auch stärker auf die sonstigen anfallenden Arbeiten konzentrieren.

Darüber hinaus könnt ihr diesen Block eures Meetings auch gut dazu benutzen, um über eure gemeinsamen Finanzen zu sprechen. Gerade das Thema Geld führt in vielen Beziehungen immer wieder zu Problemen. Es kann daher ungemein wichtig sein, darüber zu sprechen. Und hier ist genau der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt um genau das zu tun.

Gute Zeiten planen

Der Block „Gute Zeiten planen“ ist vor allem dafür gedacht, jedem Partner individuelle Freiräume zu gewähren und einzuräumen. Einen Großteil aller Beziehungen pflegt man vor allem dadurch, dass man selbst stets daran arbeitet eine interessante, umgängliche und ausgeglichene Person zu sein. Um das zu tun, braucht jeder Partner auch individuelle Freiheiten und Zeit für und mit sich selbst. Aber auch gemeinsame Aktivitäten sollen natürlich nicht außen vor gelassen werden.

Gerade mit Kindern kann es schnell passieren, dass du ohne eine entsprechende Planung zu sehr in den Tag hinein lebst. Das führt dann meisten dazu, dass ihr gar nichts unternehmt und den Tag eher an euch vorbei ziehen lasst. Wenn ihr also (als Familie) mehr unternehmen wollt, kann es essentiell sein, gemeinsame Aktivitäten auch im Voraus zu planen.

In diesem Block gibt es folgende Punkte:

  • Jeder Partner sollte mindestens eine Aktivität für sich selbst planen und einfordern. Das kann ein Hobby, Sport oder auch ein Treffen mit Freunden sein. Wichtig ist, dass es keine gemeinsame, sondern eine individuelle Aktivität ist. Jeder braucht Zeit für sich alleine und meist sind es genau diese Zeiten, in denen wir unsere Batterien wieder auffüllen um genug Energie für die Partnerschaft und die Familie aufbringen zu können.
  • Überlegt gemeinsam, welche Aktivitäten ihr gemeinsam als Familie in der kommenden Woche angehen könnt. Vorschläge, die beiden Partnern zusagen, sollten anschließend natürlich, je nach Alter, auch mit den Kindern besprochen werden.
  • Findet einen Dateabend nur für euch beide. Super, wenn das jede Woche machbar wäre, aber im Zweifelsfalls wäre auch eine Date Night im Monat ein Kompromiss. Wenn ihr, so wie wir, eure Kinder nicht einfach abgeben könnt, kann es natürlich auch ein (geplanter) Abend zu zweit zu Hause sein. Ein bestelltes Essen, eine Flasche Wein und ein gemeinsames Spiel können da schon ein tolle Abwechslung zum sonstigen Fernsehabend sein.
  • Plant gemeinsame Aktivitäten mit Freunden (oder Familien). Neben gemeinsamen Ausgehen kann man hier auch wunderbar über „Playdates“ oder ähnliches sprechen. Gerade mit kleinen Kindern ist das immer eine gute Gelegenheit, um sich mit Freunden und Eltern zu treffen.
  • Sprecht auch über eure gemeinsamen Urlaubspläne. Dabei solltet ihr neben dem großen Sommerurlaub natürlich auch über kleine Reisen oder gemeinsame Ausflugstage sprechen.

Probleme und Herausforderungen meistern

Der letzte Abschnitt ist der kniffligste. Nachdem ihr im vorherigen Abschnitt gemeinsame schöne Zeiten geplant habt, seid ihr nun hoffentlich in einer Verfassung, die positiv genug ist, um auch über die negativen Seiten der Beziehung und des Zusammenlebens sprechen zu können.

Es soll hier natürlich nicht darum gehen, dem Partner Vorwürfe zu machen und sich „auszukotzen“. Dennoch soll es möglich sein, berechtigte Punkte, die einen stören, anzubringen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Arbeite dabei vor allem mit Ich-Botschaften („Ich nehme war, dass du […]“) und versuche immer konstruktiv unterwegs zu sein. Beide Seiten sollten ihre jeweilige Sichtweise darlegen können und dabei vom Partner nicht unterbrochen werden. Es ist wichtig zuzuhören und zu versuchen, sich in den anderen hineinzuversetzen.

Aber nicht nur Probleme, sondern auch Herausforderungen sollen Teil dieses letzten Abschnittes eures Meetings sein. Auch wichtige, gemeinsame Entscheidungen sind Teil davon. Schreibt euch dazu bei Bedarf Pro- und Contra-Argumente auf und wiegt diese gegeneinander ab, um zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. Auch Brainstorming kann hier hilfreich sein. Denk daran, dass es dabei wichtig ist, zunächst nicht zu werten und alle Argumente erstmal aufzunehmen.

Da gerade dieser Part besonder schwierig aber dennoch unglaublich wichtig ist, solltet ihr euch vornehmen, dass jeder nur eine begrenzte Anzahl von Punkten (z. B. drei) in diesem Meeting anbringen darf. Weitere Punkte können dann in der kommenden Woche besprochen werden. Es kann auch hilfreich sein, wenn ihr euch die Zeit begrenzt. Stellt einen Wecker auf 15 Minuten. Wenn dieser dann abgelaufen ist gilt, dass ihr das Meeting beendet und alle nicht zu Ende diskutierten Punkte in der kommenden Woche (oder an einem weiteren Termin) weiter besprecht.

Hier noch ein paar Beispiele, was in diesem Block besprochen werden könnte:

  • Eine die Kinder betreffende Entscheidungen. (Z. B.: Welcher Kindergarten/Welche Schule?)
  • Ein Partner fühlt sich ungerecht behandelt.
  • Einem Partner fehlt Intimität oder Sex in der Beziehung.
  • Der Partner ist zu lange weg oder zu viel außerhalb der Familie unterwegs.
  • Probleme mit dem gemeinsamen Budget.
  • Kritik an einer Erziehungsmethode des Partners.

Sinnvolle Regeln

Neben der Agenda, die ich bereits ausgeführt und erläutert habe, gibt es noch ein paar sinnvolle Regeln, die ihr euch für das Meeting definitiv setzen solltet, damit es ein Erfolg wird. Sprecht auf jeden Fall über diese Regeln und findet eine gemeinsame Basis, mit der ihr beide leben könnt. Hier mein Vorschlag dazu:

  • Das Meeting findet nur zwischen den beiden Ehepartner statt. Die Kinder sind außenvor. Trefft euch dazu am besten, wenn die Kinder weg oder im Bett sind.
  • Ihr trefft euch regelmäßig ein Mal pro Woche zu einem festen Termin. Sollte dieser feste Termin einmal nicht möglich sein (was immer mal passieren kann und wird), findet ihr einen gemeinsamen Ersatztermin, aber lasst euer Meeting nicht ersatzlos entfallen.
  • Setzt euch zusammen und möglichst nicht gegenüber. Das bringt euch mehr Nähe und unterstützt euch darin, dass ihr gemeinsam weiterkommen wollt.
  • Begrenzt euer Meeting zeitlich auf 30 Minuten. Damit fällt es schwieriger „keine Zeit“ zu haben und das Meeting ständig zu verschieben (oder gar doch ausfallen zu lassen).
  • Beider Partner verpflichten sich, die Dinge konstruktiv und offen zu besprechen.
  • Falls ihr Probleme mit Ablenkungen habt, schaltet eure Handys aus (oder zumindest in den Flugmodus).
  • Jeder Partner sammelt im Laufe der Woche seine Punkte für das Meeting und bringt diese mit.
  • Die besprochenen Termine werden direkt vor Ort in einen gemeinsamen und/oder die individuellen Kalender der Partner eingetragen. Sorgt also dafür, dass ihr alles griffbereit habt.

Quelle: How and Why to Hold a Weekly Marriage Meeting von The Art of Manliness, Brett and Kate McKay

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