Vater mit Tochter

Was du als (werdender) Vater so vielleicht noch nicht gehört hast

Ich bin Ende Mai 2017 Vater geworden. Natürlich kam das nicht komplett unerwartet. Ich konnte mich bereits in den vorangegangenen Monaten emotional darauf vorbereiten. Dennoch muss ich zugeben, dass mich einige Dinge trotz besseren Wissens und vorherigem „Vorbereiten“ ziemlich kalt erwischt haben. An dieser Stelle möchte ich gerne ein wenig von dem Teilen, was mich doch stark getroffen hat. Vielleicht hilft es dir ja auf deinem Weg als (zukünftiger) Vater.

Vorwort

Ich möchte an dieser Stelle unbedingt noch erwähnen, dass meine nachfolgenden Beschreibungen natürlich rein subjektiv sind und an der ein oder anderen Stelle auch sehr negativ klingen. Ich möchte damit aber keinesfalls ausdrücken, dass ich das Vaterwerden negativ empfunden habe. Ja, es gibt anstrengende und belastende Phasen, auf die ich hier zum Teil den Fokus lege. Es gibt auf der anderen Seite aber auch unzählige wunderschöne und tolle Momente. So viel Stolz und Liebe wie für sein eigenes Kind empfindet man(n) sonst meiner Meinung nach in keiner anderen Situation im Leben. Vater zu werden ist, trotz schwieriger Situation, das beste, was mir in meinem Leben passiert ist!

Hilflosigkeit

Ich habe mich in den ersten Wochen tatsächlich wie ins kalte Wasser geworfen gefühlt. In der Schwangerschaft aber auch bei und nach der Geburt hatte man immer diverse Personen in greifbarer Nähe, die einem mit einem Rat helfen konnten. (Auch wenn die Ratschläge im Krankenhaus eher nicht so gut waren.) Aber nichtsdestotrotz habe ich mich da nie alleingelassen oder gar hilflos gefühlt. Als wir aber mit der Kleinen zu Hause waren, fing genau diese Hilflosigkeit an. Wir wussten nicht wirklich, was wir tun sollten, wenn sie schrie oder nicht schlafen wollte (konnte). Ich habe Internetforen durchwühlt und Bücher gelesen. Auch unsere Eltern haben wir angerufen und um Rat gebeten. Aber irgendwie war das alles nicht passend und wir standen ab und an einfach nur hilflos da.
Das hat sich mit der Zeit zum Glück auch gelegt. Wenn man viele verschiedene Dinge ausprobiert, funktioniert irgendwas irgendwann auch mal. Aber die anfängliche Hilflosigkeit kam schneller und heftiger, als wir gedacht haben.

Schlaf

Gerade in der Anfangszeit hatte ich wirklich Probleme mit dem Schlafen. Meine Tochter hat mich nachts gerne wach gehalten. Auch wenn ich sie nicht wickeln oder stillen musste. Ich war es aber schlicht nicht gewohnt, dass jemand nachts ständig Geräusche macht. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich einen großen Schlafmangel hatte. Klar, ich wusste natürlich vorher schon, dass ein Kind auch Schlafmangel bedeutet. Da muss man dann halt durch, habe ich mir gedacht. Aber was es wirklich heißt und wie anstrengend das wirklich ist, habe ich um Längen unterschätzt. Das weiß man(n) vermutlich auch erst dann wirklich, wenn es soweit ist.
Interessanter Weise habe ich mich von meinem vorher doch recht leichten Schlaf in Richtung festen und vor allem tiefen Schlaf weiterentwickelt. Noch in der Schwangerschaft meiner Frau bin ich jedes Mal aufgewacht, wenn sie nachts mal raus musste und habe sie gefragt, ob alles in Ordnung sei. In den ersten Wochen und Monaten bin ich dann bei jedem Mucks unserer Kleinen sofort wach gewesen. Dann aber hat sich das gewandelt. Ich bin qausi gar nicht mehr aufgewacht, wenn unserer Tochter sich nur ein bisschen gemeldet hat. Auch wenn meine Frau mit ihr runter gegangen ist, habe ich das zu großen Teilen gar nicht mehr realisiert.Vermutlich hat mein Körper einfach umgeschaltet, um sich den Schlaf zu nehmen, den er braucht. Ich hätte vorher nicht für möglich gehalten, dass das überhaupt geht.
Ich kann dir auf jeden Fall nur raten, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Genieße die Zeit, in der du noch problemlos (aus)schlafen kannst. Mit einem Kind ist diese Zeit nämlich fürs Erste vorbei.
 

Weniger geschafft

Was man so alles mit Kind schafft oder nicht schafft gehört auch zu den Punkten, die meine Frau und ich massiv unterschätzt haben. Vor der Geburt unserer Tochter haben wir noch gedacht, dass das alles schon gut funktionieren wird. Wenn das Kind schläft, was es ja gerade am Anfang auch viel tut, macht man eben mal schnell den Haushalt. Anschließend kann man dann ja auch noch seinen Hobbies nachgehen. Vielleicht Nähen oder ein bisschen an der Konsole zocken. Geklappt hat das nicht ganz so, wie erwartet.
Unserer Tochter hat in den ersten Monaten fast gar nicht daran gedacht, alleine in ihrem Bettchen zu schlafen. Überhaupt geschlafen hat sie tagsüber nur auf unserem Bauch liegend oder in der Babytrage, die wir nur wenige Tage nach ihrem Einzug bei uns zuhause gekauft haben. Sie hat die ersten Monate buchstäblich in der Trage gewohnt. Erschwerend kam dann aber noch hinzu, dass sie nur dann wirklich zufrieden in der Trage war (also geschlafen hat), wenn wir mit ihr zumindest gestanden haben. (Gehen war natürlich noch besser.) So konnte man den Haushalt schmeißen, das Essen vorbereiten, doch gefühlt sind wir manchmal zu nichts gekommen. Wenn du den ganzen Tag dein Kind in der Trage vor dir her trägst, bist du auch danach manchmal einfach nur platt.
Später hat sie dann irgendwann akzeptiert, dass wir sie in ihr Bett in ihrem Zimmer gelegt haben. Sie hat dann aber nur für 30 Minuten geschlafen. Man konnte die Uhr danach stellen. Wenn wir sie dann einmal weggelegt bekommen haben, wollten wir natürlich gerne auch mal kurz durchatmen. Mal 5 Minuten auf der Couch sitzen. Dann waren aber schon nur noch 25 Minuten übrig. Zu wenig, um noch mal zu putzen. Ich habe es in der Zeit auch gerne mal geschafft, dass ich mir noch schnell die Zähne putzen und mich rasieren konnte. Wenn ich damit aber durch war, war die Kleine im Prinzip auch schon wieder wach. Ich konnte immer nur ein klein bisschen was schaffen.
Eigentlich haben sich die Dinge, die wir dann tatsächlich schaffen konnten, auf ein Minimum reduziert. Wäsche, Haushalt, Kochen, wichtige Besorgungen. Das war natürlich alles irgendwie drin. Aber viel darüber hinaus haben wir nicht geschafft.
Ich will dir damit aber keine Angst machen. Es gibt sicherlich auch viele, bei denen das nicht so anstrengend ist, wie es bei uns der Fall war. Und auch bei uns ist es mit der Zeit natürlich besser geworden. Wir schaffen jetzt auch wieder mehr. Es ist aber tatsächlich so, dass wir von der Situation schon stark überfahren wurden. Wir haben uns das Ganze tatsächlich deutlich einfacher vorgestellt. Aber manchmal holt einen die Realität dann eben doch ein.

Schlechtes Gewissen

Mich hat auch immer sehr stark belastet, dass meine Frau den ganzen „Kram mit Baby“ gemacht hat und ich mehr oder weniger einfach so weitermachen konnte, wie bisher. Soll heißen, dass ich einfach weiter zu Arbeit gegangen bin und weiter meine Tischabende beim Round Table hatte. Auch zum Sport bin ich weiter so gegangen, wie bisher, wo hingegen meine Frau erstmal gar nicht mehr gehen konnte. Das hat auch zu Spannungen und Streit zwischen uns beiden geführt. Und ich habe mich einfach schlecht dabei gefühlt. Aber einfach gar nichts mehr zu machen (mal abgesehen von der Arbeit) war ja auch nicht die Lösung.
Ich konnte meine Frau ja auch nicht einfach ablösen. Unsere Tochter hat nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten nur noch die Brust akzeptiert und die Flasche komplett verweigert. Auch alle Versuche mit Abpumpen oder Pulvermilch sind kläglich gescheitert. Bei der Trinkfrequenz, die die Kleine in den ersten Monaten an den Tag gelegt hat, gab es somit für meine Frau de facto keine Möglichkeit, mal ohne Kind das Haus zu verlassen und ein wenig Me-Time zu haben.
Somit hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, dass ich zu wenig unterstütze und helfe. Wenngleich ich auch wusste, dass meine Möglichkeiten eingeschränkt waren. Ich habe versucht so gut wie alles zu machen, was ich konnte. Aber das schlechte Gewissen ist geblieben. Das habe ich als starke Belastung empfunden, die ich so vorher nicht erwartet hätte. Aber auch das hat sich mit der Zeit und vor allem auch mit der besseren Möglichkeit für jeden von uns Me-Time zu haben, zum Glück gelegt.

Keine Zweisamkeit

Freunde, Bekannte und Verwandte haben uns vor der Geburt unserer Tochter immer wieder gesagt, dass wir die Zeit zu zweit noch genießen sollen. Ich kann mich noch an einen abendlichen Spaziergang an einem warmen Maitag erinnern, an dem wir uns darüber unterhalten haben. Wir fanden das etwas überzogen, da wir uns ja schon so sehr auf unsere Kleine gefreut haben. Klar würde es eine Veränderung geben, aber die wäre ja auch schön.
Zweifelsohne ist die Veränderung, die unsere kleine Tochter in unser Leben gebracht hat, auch unglaublich schön. Aber die Freunde, Bekannten und Verwandten hatten auch doch Recht. Wir hätten die „letzte Zeit zu zweit“ vielleicht noch ein wenig intensiver genießen sollen. Mit fehlt ironischer Weise z. B. der oben genannte Spaziergang. Klar können wir mit der Kleinen im Kinderwagen spazieren gehen. Aber eben auch nicht zu jeder Tageszeit. Ein romantischer Spaziergang am Abend ist jetzt eben schlicht und einfach nicht mehr möglich. Es geht nicht.
Genauso fehlen mir auch andere Unternehmungen. Essengehen zum Beispiel. Nun, nach fast einem Jahr, waren wir mittags mal ein Eis essen. Wir könnten sicherlich auch Mittagessen gehen. Aber ein Candle-Light-Dinner in einem schönen Restaurant fällt momentan noch flach.
Ebenso ist ist aktuell nicht mehr möglich, dass wir beide gleichzeitig zum Sport gehen können. Wir müssen immer abwechselnd gehen. So fällt auch die Familienzeit kürzer aus, was schade ist. Dafür genieße ich dann die Papa-Tochter-Zeit intensiver, wenn meine Frau mal eine Stunde beim Sport ist.
Kino? Leider nein. Beim neuen Star Wars, der Ende 2017 in die Kinos kam, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir auf das Streamingangebot warten.
Natürlich wird auch das noch besser werden. Wenn man aber, wie wir, keine Verwandten in der näheren Umgebung hat, muss immer einer von uns beim Kind bleiben, bis man auch mal mit Fremdbetreuung anfangen kann. Im ersten Jahr ist das, zumindest bei uns, nicht denkbar.
Interessant ist auch, dass mir diese Sachen irgendwie fehlen, obwohl wir sie früher auch nicht ständig gemacht haben. Eher selten. Vielleicht ist es auch der zusätzliche Stress, der in mir eine besondere Sehnsucht nach eben diesen Aktivitäten auslöst. Es ist natürlich auch kein Weltuntergang oder eine ständig andauernde Unzufriedenheit. Aber manchmal übermannen mich diese Gedanken eben einfach und ich entwickle doch ein bisschen Sehnsucht.

Verschobene Prioritäten

Spannend finde ich auch meine eigene mentale Weiterentwicklung. Meine Prioritäten haben sich zum Teil auch verschoben. Ich konnte mir noch vor der Geburt unserer Tochter eine steile Karriere vorstellen. Auch mit Tätigkeiten in anderen Städten oder gar anderen Ländern. Mittlerweile bin ich froh, dass ich derzeit so gut wie gar nicht reisen muss. Ich freue mich, dass ich jeden Abend zuhause bei meiner Familie sein kann. Seit Neustem habe ich sogar öfter die Möglichkeit, von zuhause zu arbeiten. Auch das ist total toll, da ich einfach viel mehr von meiner Tochter habe. Auch wenn es nur mal kurz zwischendurch und in den Pausen ist. Aber ich bin einfach präsenter für sie und sie natürlich auch für mich. Das möchte ich nicht mehr missen.
Dafür nehme ich auch gerne ein wenig Gehaltseinbußen in Kauf, die ich mit einem anderen Job vielleicht hätte erreichen können. Die Zeit mit der Familie ist unglaublich kostbar und viel mehr Wert, als nur Geld.

Große Verantwortung

Zu guter Letzt habe ich auch erst nach der Geburt meiner Tochter so richtig realisiert, dass dort nun ein kleiner Mensch ist, für den ich eine große Verantwortung trage. Ich sehe es als meine Verantwortung und auch als meine Pflicht, ihr alles beizubringen, was ich ihr beibringen kann. Sie zu einem tollen, selbstbestimmten Menschen zu erziehen, mit Respekt vor anderen, aber einem klaren Verständnis der eigenen Vorstellungen und Wünsche.
Ich werde immer für sie da sein und sie bei allem unterstützen, was sie machen will und ihr ein gutes Vorbild sein. Das ist meine Verantwortung ihr gegenüber.

Schlussworte

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in einen Ausschnitt meiner persönlichen Situation als Vater geben. Wo es mich in den ersten Wochen und Monaten besonders auf dem kalten Fuß erwischt hat und was ich anderen, wie dir, gerne mit auf den Weg geben will.
Denke daran, dass ich die Weißheit nicht mit Löffeln gefressen habe. Jede Situation und jeder Mensch ist anders. Es kann bei dir also in vielen Belangen anders und vielleicht (hoffentlich) auch einfacher laufen. Aber ich kenne keinen einzigen Vater, der sagt, dass alles super gelaufen wäre, es keine Probleme gegeben hätte und immer alles harmonisch war. Den wird es auch nicht geben. Da Leben besteht nun mal auch aus Ecken und Kanten.
Die Umstellung des eigenen Lebens durch ein Kind ist einfach enorm und verändert vieles, wenn nicht alles. Das führt unweigerlich zu fordernden und anstrengenden Situationen, die es zu meistern gilt. Doch, es stimmt, man wächst an seinen Aufgaben und wie vermutlich auch alle anderen Väter kann ich nur sagen: Es lohnt sich!

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