Warum Mann zum Barber gehen sollte

Barbiere da Roberto

Lange Zeit habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wo ich zum Frisör gehen sollte. Ich habe einfach den Frisör angesteuert, der nah dran und mir nicht gänzlich unsympathisch war. Möglichst günstig sollte er dazu auch noch sein. Bei so einem banalen Herrenschnitt – was soll da schon kompliziert und dann auch noch teuer sein? Das war es dann auch schon.

Als ich aber angefangen habe, mich eingehender mit dem Thema „Männlichkeit“ auseinanderzusetzen, bin ich, vor allem auf amerikanischen Blogs, auf das Thema des „Barbers“ gestoßen. Diesen alten und traditionellen Beruf, den man heute eigentlich schon verloren geglaubt hat. Der Barber kümmert sich traditionell nicht nur um die Haare auf dem Kopf, sondern auch um die im Gesicht. Zu der Zeit hatte ich aber noch keinen Bart und ein Barber war sowieso nicht in Sicht. Den würde man vermutlich nur in hippen Großstädten finden, dachte ich mir. Vermutlich hatte ich damit auch mehr oder weniger recht.

Das Thema lies mich aber nicht los und ich entdeckte irgendwann, dass es in Bonn auch einen Barbershop gibt. Und dann auch noch einen, der sogar schon mal medial erwähnt wurde. Als neuer Trend, der nun auch langsam nach Deutschland kam. Ich wurde neugierig, besann mich auf die bereits gelesenen Blogbeiträge und entschloss, es einfach mal zu wagen. Ich ließ mir also einen Termin beim örtlichen Barber geben und fieberte diesem dann entgegen.

Echtes italienisches Bier beim italienischen Babiere.

Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt! Die ganze Atmosphäre ist nur auf Männer abgestimmt (Frauen werden dort auch gar nicht bedient). Rustikal, etwas antik aber gleichzeitig nicht wie aus der Zeit gefallen sondern auch modern und hip. Überall stehen Aftershaves, Pomaden, Rasiercremes und Shampoos rum. Dazwischen findet man Playboy, Automagazine, Bierflaschen und Whisky. Der Wartebereich ist nicht etwa mit schnöden und einfachen Stühlen ausgestattet. Hier hat man sich Gedanken gemacht und mit tollen Ledersesseln und -sofas die rustikale und männliche Atmosphäre des ganzen Ladens unterstrichen. Das lädt sogar zum Verweilen ein, um vor oder nach dem eigentlichen Termin noch in Ruhe ein Bier zu trinken, in den Zeitschriften zu stöbern oder sich gepflegt mit anderen Gästen zu unterhalten. Und das ist sogar so gewollt. Man soll nicht nur einfach abgespeist, durchgeschleust und abkassiert werden. Man soll sich wohlfühlen und den Termin und das Drum und Dran genießen. Das hatte ich zuvor bei keinem Frisör jemals erlebt. Und ich fand es einfach klasse. Dazu ist auch die Beratung top. Endlich kein schnödes „Die Seiten mit der Maschine und oben etwas länger“ oder ähnliches mehr. Die Jungs haben einfach richtig Ahnung von dem, was sie tun. Sie behandeln den (männlichen) Kunden tatsächlich als König und nehmen ihn und seine Bedürfnisse ernst. Das habe ich bei „normalen“ Frisören zuvor immer vermisst. Gerade als männlicher Kunde bei meist weiblichen Frisörinnen habe ich mich oft wie der unliebsame Kunde gefühlt, an dem man (angeblich) eh nichts verdienen kann und dessen Bedienung zudem noch überhaupt keinen Spaß macht. Vermutlich schneiden die Damen lieber Pony und Spitzen und färben gerne. Anders kann ich mit die häufige Unlust zumindest nicht erklären. (Das gilt natürlich nicht generell. Ich habe auch motivierte Damen kennengelernt. Nur, dass das nicht falsch verstanden wird.)

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich bei Frisörbesuchen auch immer recht geizig. Als ich vom Osten der Republik in den Westen gezogen bin, habe ich mich noch geärgert, dass ich statt 12€ plötzlich 17€ für einen Haarschnitt zahlen musste. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, zu einem Frisör zu gehen, der gar noch teurer ist. Aber so kann man sich täuschen. Mein Barber hat es geschafft, mich vom Gegenteil zu überzeugen und ich bin bereit, für eine gute Dienstleistung auch gutes Geld zu bezahlen. So entwickelt man(n) sich eben weiter.

Ich möchte euch an dieser Stelle nahe legen, es doch auch mal mit einem lokalen Barber zu versuchen, so ihr denn einen in der Nähe habt. Hoffentlich konnte ich mit meinen kurzen Beschreibungen ein wenig den Flair vermitteln, der sogar mich dazu überzeugt hat, nur noch und ausschließlich zu einem Barber zu gehen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Die Läden sind in den letzten Jahren tatsächlich deutlich mehr geworden, sodass es gut sein kann, das auch in deiner Nähe ein Laden vertreten ist. Google kann sicherlich weiterhelfen. Mein Barber in Bonn hat übrigens auch Kunden aus Köln. Und das, obwohl es in Köln mittlerweile auch mehrere Barbershops gibt – zu seinen und meinen Anfangszeiten übrigens noch nicht. Wer extra solche Strecken fährt, macht das nur, wenn der Barber wirklich gut und den Aufwand wert ist. Und glaubt mir: Das ist er!

PS: Meinen Barber gibt es auch bei bei Instagram

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