Rasierzubehör

Rasieren wie zu Großvaters Zeiten

Eines der ersten Dinge, das mir während meiner Recherchen zum Thema Männlichkeit begegnet ist, ist die Rasur. Wie rasieren sich echte Männer? Mit den fertigen Supermarkt-Rasierern mit 3, 5, oder 10 Klingen? Wie ging das eigentlich früher? Hat man(n) sich da nicht anders rasieren müssen? Ein Blick zurück kann hier sicherlich nicht schaden.

Die Rasur ist etwas, das einige von uns täglich und andere vielleicht alle zwei Tage oder etwas seltener tun müssen. Es ist also ein essentieller Bestandteil dessen, was wir in unserem täglichen Leben tun. Daher sollten wir dieses Thema auch nicht nur irgendwie angehen, sondern es mit einem gewissen Stil und natürlich auch der entsprechenden Equipment tun. Und was hat mehr Stil, als eine Vintage-Rasur wie zu Großvaters Zeiten? Der aufmerksame Leser mag jetzt gerne einwenden, dass Großvaters Zeiten natürlich sehr relativ sind. Ein heutiger Großvater kann durchaus auch mit Systemrasierern aufgewachsen sein oder sich immer elektrisch rasiert haben. Mein Fokus soll allerdings auf der klassichen Nassrasur vor der Zeit der Systemrasierer liegen.

Prinzipiell gibt es auch aus Großvaters Zeiten zwei grob getrennte Möglichkeiten, sich zu rasieren. Das wäre zum einen die etwas schwierigere und ältere Variante mit dem Rasiermesser. Zum anderen gab und gibt es die Möglichkeit, sich mit einem sogenannten Rasierhobel zu rasieren. Dieser ist vergleichbar einfach zu bedienen, wie die heutigen Systemrasierer, ist jedoch deutlich einfacher aufgebaut (mit weniger Müll und auch deutlich geringeren Kosten).

Der moderne Rasierhobel, wie er heute benutzt wird, geht auf den Amerikaner Kind Camp Gilette zurück. Dieser hatte bei einer morgendlichen Rasur den spontanen Einfall, für die Rasur eine wegwerfbare Klinge zu verwenden, die nicht immer neu geschliffen werden muss, sondern nach dem Abstumpfen einfach getauscht werden kann. Diese bestand einfach aus einem dünnen Stück Stahl und wurde auf beiden Seiten geschliffen, sodass man auch beide Seiten verwenden konnte. 1901 gründete er die Firma The Gilette Company, die dann 1903 mit der Produktion des von ihm erdachten Hobelsystems begann. Richtig Aufschwung bekam die Firma schließlich mit einem Großauftrag des amerikanischen Militärs, das 1917 36 Mio. Rasierklingen für die im Ersten Weltkrieg kämpfenden US-Soldaten bestellte. Dort hatte man durch den erstmaligen Einsatz von Gasmasken die Notwendigkeit einer täglichen Rasur erkannt, die es so vorher in der Armee nicht gegeben hat. Zudem kamen dadurch 3,5 Mio. Rasierhobel unter die männliche amerikanische Bevölkerung, was das Rasieren mit dem Hobel im Alltag etablierte.
Einen weiteren Meilenstein für den Rasierhobel und die hier verwendeten Klingen gab es schließlich im Jahr 1962, als der britische Hersteller Wilkinson Sword erstmals Klingen aus rostfreiem Edelstahl herstellen ließ. Diese Innovation beschwerte dem Londoner Unternehmen einen deutlich gewachsenen Marktanteil. Die Klingen aus rostfreiem Edelstahl sind heute selbstverständlich üblich.

Beim Rasierhobel wird die Rasierklinge am Kopf eingespannt und ragt dabei auf jeder Seite ca. 1 mm, in dern sogenannten Klingenspalt, heraus. Dieses relativ geringe hervorstehen der Klinge ist der Grund dafür, dass sich der Rasierhobel ursprünglich gegenüber den klassischen Rasiermessern durchgesetzt hat: Die Gefahr, sie zu schneiden, ist erheblich gesunken. Damit ist die Rasur zuhause deutlich einfacher geworden, wohingegen man(n) zuvor für die Rasur noch eher zum klassischen Barbier oder Herrenfrisör gegangen ist (was heute übrigen auch wieder immer beliebter wird).

Bei der klassichen Rasur kommt natürlich nicht nur der Rasierhobel selbst zum Einsatz. Der verwendete Rasierschaum wird mit einer Rasierseife oder -creme und einem Rasierpinsel selbst aufgeschäumt und aufgetragen. Das kann man auch in speziellen Gefäßen tun, muss man aber nicht unbedingt. Ideal ist es, wenn man den Schaum noch 2 bis 3 Minuten einwirken lässt, bevor man mit der Rasur beginnt. So werden die Barthaare schön weich und lassen sich einfacher und mit weniger Hautirritationen entfernen. Der Hobel kann eigenlich wie ein Systemrasierer verwendet werden. Lediglich an den richtigen Winkel muss man sich ein wenig gewöhnen. Die Klinge sollte ca. in einem 45°-Winkel auf die Haut treffen, um das beste Ergebnis zu erzielen. Dann lässt man die Klinge mehrfach über einen kurzen Bereich fahren, um sie anschließend kurz im Wasser abzuwaschen. Das wiederholt man solange, bis die Stelle stoppelfrei ist und führt das natürlich auch für alle anderen Partien fort, die man vom lästigen Barthaar befreien will. Auch wenn es nicht immer empfohlen wird, so bin ich der Meinung, dass eine Rasur gegen den Strich an einigen Stellen einfach nötig ist. Ohne bekomme ich diese Stellen zumindest nicht stoppelfrei. Wichtig ist, dass der Hobel selbst relativ schwer ist und man so kaum Druck ausüben muss. Das würde eher dazu führen, dass man sich schneidet.

Ich persönlich verwende seit Jahren einen Rasierhobel der Marke Mühle, einem deutschen Hersteller. Bei den Klingen benutzt ich Persona-Klingen, die bei mir schon seit langem halten, was aber vor allem daran liegt, dass ich die Klingen relativ selten wechsle. Das ist meiner Meinung nach auch ein entscheidender Vorteil ders Rasierhobels: Die Kosten sind im Gegensatz zu Systemrasierern extrem niedrig. Zudem habe ich das Gefühl, dass er einfach sauberer rasiert bzw. hobelt. Eine Nachrasur ist erst später nötig, als es mit einem Systemrasierer der Fall wäre.
Meinen derzeitigen Rasierpinsel habe ich geschenkt bekommen und weiß leider auch nicht, von welcher Marke er ist. Er soll aus echtem Dachs-Brusthaar sein, was von der Qualität auf jeden Fall stimmen kann. Als Vergleich habe ich einen alten, normalen Rasierpinsel von Wilkinson, wie man sie auch in der Drogerie bekommt. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht! Der hochwertige Pinsel lohnt hier auf jeden Fall, da er besser aufschäumt und sich zudem auch einfach weicher und angenehmer anfühlt.

Als Rasierschaum nutzt ich die Proraso Rasierseife im Tiegel mit Eukalyptus. (Die allerdings eher eine Creme und keine Seife ist.) Meiner Meinung nach eine super Rasiercreme für kleines Geld. Und deutlich besser als das, was man in der Drogerie um die Ecke bekommt. Ich habe auch mal eine echte Seife von Mühle probiert, war davon aber eher enttäuscht. Zumindest bei meiner recht empfindlichen Haut tut insbesondere das Eukalyptus in der Creme von Proraso gut.

Den Abschluss mache ich mit einem Bartöl von Dr. K. Soap. Das hält den noch übrig gebliebenen Bart geschmeidig und pflegt außerdem die Gesichtshaut.

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